Die „Besondere Auszeichnung“ erhält der Ansitz Thierburg in Meran
Die Stiftung Südtiroler Sparkasse, das Landesdenkmalamt und der Hoteliers- und Gastwirteverband (HGV) zeichnen zum 19. Mal den „Historischen Gastbetrieb des Jahres in Südtirol“ aus. Preisträger 2027 ist der Ansitz Heufler in Oberrasen, die „Besondere Auszeichnung“ erhält der Ansitz Thierburg in Meran.
Historische Gastbetriebe erzählen von ihrer Vergangenheit und sind zugleich Orte, die in der Gegenwart leben und sich weiterentwickeln. In besonderer Weise verkörpern dies die beiden in diesem Jahr ausgezeichneten Häuser: der zwischen 1578 und 1582 von Dietrich Heufler zu Rasen errichtete Ansitz Heufler in Oberrasen und der erstmals 1394 urkundlich erwähnte Ansitz Thierburg in Meran. Beide Anwesen stehen unter Denkmalschutz und zählen zu den herausragenden Bauwerken der Südtiroler Architekturgeschichte.
„Gastlichkeit ist kein unbewegliches Erbe, das lediglich bewahrt wird, sondern ein lebendiges Kulturgut, das sich in jeder Generation neu behaupten und bewähren muss. Der Ansitz Heufler in Oberrasen zählt zu den bedeutenden historischen Adelssitzen des Pustertals. Wer das Haus heute besucht, erlebt eine besondere Atmosphäre, in der die jahrhundertealte Geschichte des Ansitzes bis heute spürbar geblieben ist. Heute verbindet der vom Unternehmer und 3-Sterne Koch Norbert Niederkofler geführte Betrieb historische Baukultur mit einer tief in der Region verwurzelten Kulinarik. Seine Philosophie „Cook the Mountain“ setzt auf die Wertschätzung lokaler Ressourcen, einen respektvollen Umgang mit Natur und Tradition sowie auf die Überzeugung, dass Zukunft aus der Herkunft heraus entstehen kann“, unterstrich Stiftungspräsident Dr. Stefan Pan.
„Kaum ein Haus kann auf eine so wechselvolle Besitzgeschichte zurückblicken wie der Ansitz Heufler. Sie reicht von der Familie Hohenbühel, genannt Heufler zu Rasen, die hier im 16. Jahrhundert den Ansitz errichtete, über das Chorherrenstift Neustift und die Familie von Klebelsberg bis hin zu weiteren Eigentümern, die das Haus über Jahrhunderte geprägt haben. Einen entscheidenden Wandel erfuhr der Heufler zwischen 1968 und 1972, als die Architektinnen Vittoria Wolf Gerola und Elena Defant das bis dahin landwirtschaftlich genutzte Anwesen zu einem Restaurant- und Gastbetrieb umgestalteten. Seit 1994 befindet sich der Ansitz im Besitz der Familie Prugger; heute führt Ira Prugger dieses besondere Erbe weiter. Mit Norbert Niederkofler als Pächter und seiner neuen kulinarischen Ausrichtung ist ein weiteres Kapitel hinzugekommen. Gerade diese Verbindung von historischer Kontinuität, verantwortungsvollem Umgang mit dem baulichen Erbe und einer zeitgemäßen gastronomischen Vision macht die besondere Qualität des Heufler aus“, betonte Wettbewerbskoordinator Wolfgang von Klebelsberg.
Auch für die Gemeinde Rasen-Antholz hat die Auszeichnung eine besondere Bedeutung. Bürgermeister Thomas Schuster betonte: „Der Ansitz Heufler ist seit Jahrhunderten Teil der Geschichte von Oberrasen und prägt bis heute den besonderen Charakter unseres Ortes. Die Auszeichnung als Historischer Gastbetrieb des Jahres ist eine große Anerkennung und trägt gleichzeitig dazu bei, Oberrasen und unsere Gemeinde über die Landesgrenzen hinaus noch bekannter zu machen.“
Arch. Luigi Scolari, Direktor des Amtes für Bau- und Kunstdenkmäler, nahm in Vertretung von Landeskonservatorin und Jurymitglied Dr. Karin Dalla Torre an der Prämierung teil. Er hob die Bedeutung des Wettbewerbs aus Sicht der Denkmalpflege hervor: „Historische Gastbetriebe stellen die Denkmalpflege vor eine besondere Aufgabe: Sie sollen ihre wertvolle Bausubstanz und ihren Charakter bewahren und gleichzeitig den Anforderungen eines heutigen Gastbetriebs gerecht werden. Beim Ansitz Heufler ist es gelungen, die qualitätsvolle historische Substanz mit großer Sorgfalt zu erhalten und notwendige Eingriffe, zusammen mit einem innovativen gastronomischen Konzept, behutsam in den Bestand zu integrieren.“
„Historische Gastbetriebe sind Kulturträger, aber zugleich auch Unternehmen. Beides lässt sich nicht voneinander trennen, denn ein Haus kann auf Dauer nur bewahren, was es auch erwirtschaften kann. Denkmalgerechte Sanierungen, hochwertige Handwerksarbeit, Arbeitsplätze und die Ausbildung junger Menschen werden durch erfolgreiches Unternehmertum erst möglich. Kulturerhalt und wirtschaftlicher Erfolg sind deshalb zwei Seiten derselben Verantwortung“, betonte HGV-Präsident Klaus Berger.
Eine Besondere Auszeichnung 2027 erhält der Ansitz Thierburg in Meran. Das erstmals 1394 urkundlich erwähnte Anwesen verbindet seine jahrhundertealte Geschichte mit einer zeitgemäßen Nutzung. Heute vereint der Ansitz Beherbergung, Gastronomie und Kaffeehauskultur unter einem Dach. Unter der Führung von Andrea Pircher und Johannes Ladurner treten Bewahrung, behutsame Weiterentwicklung und Innovation in einen gelungenen Dialog.
Arch. Christian Kapeller erläuterte die Entscheidung für die „Besondere Auszeichnung“: „Der Ansitz Thierburg beeindruckt durch die Vielschichtigkeit seiner Geschichte und den sorgfältigen Umgang mit dem überlieferten Bestand. Historische Räume und Ausstattungselemente aus unterschiedlichen Epochen wurden bewahrt und überzeugend in die heutige Nutzung eingebunden. So ist es gelungen, einem bedeutenden historischen Ensemble neues Leben einzuhauchen.“
Jurymitglied Brigitte Kauntz hob insbesondere das persönliche Engagement hervor: „Historische Häuser können nur dann lebendig bleiben, wenn Menschen bereit sind, Verantwortung für sie zu übernehmen. Beide ausgezeichneten Betriebe zeigen, wie mit viel Engagement, Respekt vor dem Bestehenden und zugleich Offenheit für Neues historische Gastkultur in die Zukunft geführt werden kann.“
Mit der Auszeichnung würdigen die drei Trägerinstitutionen nicht nur zwei besondere historische Bauwerke, sondern auch jene Menschen, die Verantwortung für deren Erhalt und Weiterentwicklung übernehmen und damit ein bedeutendes Stück Südtiroler Gast- und Baukultur lebendig halten.
Der Wettbewerb hat in den vergangenen Jahren zugleich eine umfassende Dokumentation historischer Gastbetriebe in Südtirol hervorgebracht. Die begleitenden Broschüren dokumentieren die ausgezeichneten Häuser und ihre Geschichte und leisten damit einen wertvollen Beitrag zur Kulturgeschichte Südtirols.
Weitere Informationen und eine Bildergalerie finden Sie unter www.historischergastbetrieb.it.