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Die Stiftung Südtiroler Sparkasse verkauft die an der Banca Popolare Italiana gehaltene Beteiligung


STIFTUNG SÜDTIROLER SPARKASSE (1) / Transaktion

Stiftung schließt Lodi-Kapitel ab

Stiftung Südtiroler Sparkasse verkauft 2,5 Prozent ihrer Lodi-Aktien um 106 Mio. Euro

Bozen (gam) - "Aktien kaufen und Baldrian trinken - wenn Sie wieder aufwachen, haben Sie Geld verdient", soll der ungarische Börsenguru André Kostolany gepredigt haben. Baldrian hat Gerhard Brandstätter in den letzten Monaten wohl nicht getrunken, aber "ohne Angst die Entwicklung des Kurses der Lodi-Aktien verfolgt", so der Präsident der Stiftung Südtiroler Sparkasse. Gestern hat die Stiftung "die Gunst der Stunde genutzt" und einen Großteil ihrer Lodi-Aktien gewinnbringend verkauft.
 
Seit Oktober 2005 - seit die Stiftung Südtiroler Sparkasse Aktien der Banca Popolare Italiana (BPI, Ex-Banca Popolare di Lodi) aus den Cayman-Fonds zurückgeholt hatte - hielt die Stiftung bekanntlich rund drei Prozent an der lombardischen Bank und war damit der größte Einzelaktionär der BPI. Die Skandale um das Geldhaus und dessen ehemaligen Chef Gianpiero Fiorani machten dieses Aktienpaket aber zum Problemkind. Denn in der Bilanz der Stiftung standen die Aktien mit einem Wert von 8,5 Euro, aber wegen der Geschehnisse rund um Fiorani brach der Kurs der Aktie immer wieder ein, zeitweise sogar auf sechs Euro. Es drohten Verluste in Millionenhöhe.
Am Dienstag schließlich hat sich die Stiftung eines Teiles der Lodi-Aktien entledigt - sogar mit einem kleinen Gewinn: 2,5 Prozent der BPI-Aktien hat sie zum Preis von 8,6 Euro das Stück an die Großbank Credit Suisse in London verkauft - "ohne Rabatte", wie Brandstätter gestern bei der Bekanntgabe der Transakation betonte. Die Stiftung habe für das Aktienpaket rund 106 Millionen Euro erhalten. Damit halten die Südtiroler noch 0,5 Prozent BPI-Aktien, auf die die Credit Suisse bis 15. Dezember 2005 ein Kaufrecht hat. Sollte die Londoner Großbank diese "Call-Option" einlösen und die restlichen Aktien erwerben, würde die Stiftung weitere 21 Millionen Euro erhalten.
Grund für die schnelle Transaktion war ein Gesetz, laut dem die Stiftung innerhalb eines Jahres ihren Anteil an der BPI auf 0,5 Prozent senken musste. Als die Stiftung bemerkte, dass am Dienstag Banken-Titel und vor allem Lodi-Aktien stark gehandelt wurden, sah sie Handlungsbedarf. In einer stundenlangen Marathon-Sitzung "bei Wasser und Äpfeln" habe man darüber beraten, was zu tun sei - und sich schlussendlich für einen Verkauf entschieden. "Sicher hätten wir abwarten können, ob der Kurs noch auf neun Euro steigt, aber es ist nicht unser Job zu spekulieren", meinte Brandstätter. "Zudem haben uns Analysten gesagt, dass neun Euro wohl nur bei einem öffentlichen Kaufangebot für die BPI erreicht würden, und ob und wann das der Fall sein wird, das weiß niemand." Mit einem Verlust wollte man das Aktienpaket aber auch nicht abstoßen, also habe man, als der Kurs die 8,5 Euro überschritten hatte, "die Gunst der Stunde" genutzt.
Ob die Stiftung froh ist, das Paket los zu sein? "Was heißt froh? Es war eine problematische Investition, und des öfteren wurden Verluste befürchtet. Aber wie ein guter ,pater familias' haben wir die Situation trotz der Turbulenzen ohne Angst verfolgt und das Geschäft jetzt zu unserer vollsten Zufriedenheit abgeschlossen", meinte der Stiftungspräsident.
 
Die 106 Mio. Euro werden laut Brandstätter wieder investiert - "gewinnbringend und vorsichtig", wie es das Stiftungsstatut vorschreibe. Für Brandstätter ist mit diesem jüngsten Kapitel die Lodi-Geschichte zu einem guten Ende gekommen: "Wir haben die Mehrheit an der Bank zurückgeholt, die Cayman-Fonds aufgelöst und jetzt diese Beteiligung gewinnbringend verkauft", fasste Brandstätter zusammen.

 

 

 

"Sparkasse-Aktien: eine gute Investition"

Bozen (gam) - Während die Stiftung Südtiroler Sparkasse ihr Lodi-Kapitel abgeschlossen hat, ist die Südtiroler Sparkasse sehr wohl noch mit der Banca Popolare Italiana (BPI) verbunden. Immerhin halten die Lombarden nach wie vor rund 20 Prozent an dem größten Südtiroler Bankhaus. "Die Bank hat immer noch gute Verbindungen zur Lodi", berichtete Stiftungspräsident Gerhard Brandstätter gestern.
Auf die Frage, ob die Stiftung die nun kassierten 106 Millionen Euro auch in Sparkasse-Aktien investieren könnte, meinte Brandstätter: "Sparkasse-Aktien könnten sicher eine gute Investition sein, aber wir wissen nicht,  ob  die BPI ihre Aktien verkaufen will." Derzeit gebe es keine Signale in diese Richtung. Wie Brandstätter ergänzte, müsste ein solcher Kauf vom Finanzministerium genehmigt werden.

 

 

Chronologie: Die Stiftung und Lodi

Bozen (hil) - 5. Februar 2003: Die Banca Popolare di Lodi (heute Banca Popolare Italiana/BPI) kauft 20 Prozent der Südtiroler Sparkasse von der Stiftung Südtiroler Sparkasse ab und wird damit zum Minderheitsaktionär mit einschneidenden Mitspracherechten.
Die Väter des Deals sind der frühere Chef der Stiftung Sparkasse Hans Rubner (im Bild) und BPI-Generaldirektor Gianpiero Fiorani.
Letztlich unterzeichnet der heutige Vizepräsident der Stiftung, Sandro Angelucci (damals Interimspräsident/im Bild) den Vertrag. Die BPI bezahlt die Anteile zum Teil in Geld (365 Millionen Euro) und zum Teil in Fondsanteilen (91 Millionen Euro).
Juli 2004: Die italienische Notenbank gibt der Stiftung Südtiroler Sparkasse das grüne Licht für den Kauf eines zehnprozentigen Aktienpakets, das die Bayerische Landesbank an der Südtiroler Sparkasse hält. Mit dem Erwerb des Aktienpakets der Bayern hält die Stiftung mit 58,8 Prozent wieder die Mehrheit an der Sparkasse.
Mai 2005: Die italienische Tageszeitung "Corriere della Sera" enthüllt eine Offshore-Beteiligung der Stiftung Südtiroler Sparkasse auf den Cayman-Inseln. Die Fonds, "Victoria Eagle Strategic Fonds" und "Basking Fonds", enthalten Aktien der Banca Popolare Italiana. Im Detail: Die Stiftung erhielt beim "Lodi-Deal" 7,4 Millionen Aktien im Victoria Eagle Fonds und weitere 3,25 Millionen Stück im Basking Investments. Die Fonds haben ihren Rechtssitz auf den Cayman-Inseln, die als Steuerparadies gelten.
Juli 2005: Die Deutsche Bank erwirbt die Hälfte des BPI-Anteils an der Stiftung Sparkasse. Kaufpreis: 183,4 Millionen Euro. Hintergrund für den Teilrückzug des lombardischen Geldhauses ist der Kampf um die italienische Bank Antonveneta, um welche die BPI und die niederländische ABN Amro seit Monaten ringen.
2. August 2005: Die italienische Börsenaufsichtsbehörde leitet erste Ermittlungen gegen Gianpiero Fiorani (im Bild) ein. Der Generaldirektor der Banca Popolare Italiana wird vorläufig des Amtes enthoben. Im Zuge des Übernahmepokers um die Banca Antonveneta werden Fiorani unter anderem Geheimabsprachen mit dem damaligen Notenbankchef Antonio Fazio vorgeworfen. Die Ermittler entdecken überdies Ungereimtheiten bei den BPI-Bilanzen.
September 2005: Der langjährige BPI-Chef Gianpiero Fiorani tritt von seinem Amt zurück.
Oktober 2005: Die BPI kauft die abgetretenen Anteile an der Stiftung Südtiroler Sparkasse von der Deutschen Bank zurück.
Die Stiftung Südtiroler Sparkasse holt das Geld aus den Offshore-Fonds im Gesamtwert von 91 Millionen Euro, das jahrelang auf den Cayman-Inseln deponiert war, nach Bozen zurück. Die Stiftung wird dadurch mit 3,034 Prozent zum größten Einzelaktionär der Banca Popolare Italiana.
12. Dezember 2005: Die Mitglieder des Verwaltungsrates der lombardischen Bank erklären ihren Rücktritt. Dem Verwaltungsrat gehört auch Erich Mayr (im Bild), der frühere Generaldirektor der Südtiroler Sparkasse, an. Wirksam wird der Rücktritt Ende Jänner 2006, als die Hauptversammlung der BPI einen neuen Verwaltungsrat bestellt.
19. Dezember 2005: Antonio Fazio (im Bild) tritt aufgrund des wachsenden politischen Drucks infolge des Skandals um die Banca Antonveneta und die BPI als Chef der italienischen Notenbank ab.
Der ehemalige Generaldirektor der BPI, Gianpiero Fiorani, wird festgenommen. Ihm werden Bilanzfälschung, Betrug und unerlaubte Geheimabsprachen vorgeworfen.
Die BPI-Aktie unterliegt bis zum Jahresende starken Schwankungen und notiert zeitweise unter sieben Euro.
7. Februar 2006: Die Stiftung Sparkasse gibt 2,5 Prozent der BPI-Anteile an die Großbank Credit Suisse London ab. Der Kaufpreis beträgt 106 Millionen Euro. Die restlichen 0,5 Prozent bleiben bis auf weiteres im Besitz der Stiftung.
"D"/eg/Sparkasse/epa/Reuters/Arno Pertl

 

STIFTUNG SÜDTIROLER SPARKASSE (2) / Börse

Turbulenter Börsentag

Zehnprozentiger Kurssprung bei BPI-Aktie

Bozen (hil) - Die geplante Übernahme der italienischen Banca Nazionale del Lavoro (BNL) durch die französische BNP Paribas rückte in den vergangenen Tagen auch andere Banktitel in den Fokus der Anleger. Die größte Dynamik war am Dienstag bei der Aktie der Banca Popolare Italiana (BPI) zu beobachten. Bis Handelsschluss verzeichnete diese am Dienstag ein Plus von 2,73 Prozent.
Zeitweise schoss die Aktie gar um zehn Prozent bis auf 8,7 Euro in die Höhe, was dazu führte, dass der Titel kurzfristig vom Handel ausgesetzt werden musste. Gestern kletterte die Aktie bis Redaktionsschluss sogar auf das Zweijahreshoch von 8,98 Euro (plus 2,96 Prozent zum Vortag).
Die Stiftung Südtiroler Sparkasse nutzte am Montagabend die Gunst des Augenblicks, um sich vom Löwenanteil ihres Aktienpaketes zu trennen. Credit Suisse London zahlte für die 2,5-Prozent-Beteiligung an der BPI einen Kaufpreis von rund 106 Millionen Euro an die Stiftung (siehe Artikel oben).
Neben dem kurstreibenden Effekt des BNP-Paribas-Angebotes für die BNL sehen Analysten aber noch weitere Ursachen für die temporäre Hausse der BPI. Finanzexperten prognostizieren dem Institut eine vielversprechende Zukunft als wichtiger Akteur auf dem italienischen Bankenmarkt. Erheblichen Aufschwung erwartet man sich durch die bevorstehende Sanierung unter der Federführung des neuen BPI-Generaldirektors Divo Gronchi und mögliche Beteiligungen anderer Banken, so zum Beispiel der Banca Popolare di Verona Novara (BPVN). Die Gerüchte wurden später wieder zerschlagen.
Divo Gronchi kündigte indes an, dass der BPI-Strategieplan bis spätestens im Frühjahr stehen werde. Oberstes Ziel sei es, die Position der BPI als unabhängiges und eigenständiges Institut auf Italiens Bankenmarkt zu stärken.

 

 

STIFTUNG SÜDTIROLER SPARKASSE (3) / Interview

"Positive Gewinnentwicklung"

Experte Malfér erklärt Kurschancen der BPI-Aktie

Bozen - Nach dem Höhenflug am Montag schloss die BPI-Aktie auch gestern noch mit einem kräftigen Plus. Martin von Malfér, Wertpapierexperte der Raiffeisen Landesbank, erklärt, warum.
 
"Dolomiten": Was macht italienische Bankentitel derzeit so attraktiv?
Martin von Malfér (im Bild): Der italienische Markt galt bislang als sehr geschlossen. Der ehemalige Notenbankchef Antonio Fazio hat Übernahmen stets abgewendet. Die Übernahme der BNL durch die französische BNP Paribas vor wenigen Tagen war schließlich ein eindeutiges Signal in Richtung Marktöffnung. Für Italien sprechen außerdem die im internationalen Vergleich auffallend hohen Gewinnmargen.
"D": Wie sehen Sie die weitere Entwicklung der BPI-Aktie?
Malfér: Bei der Banca Popolare Italiana stellte ich in den letzten Jahren eine äußerst positive Gewinnentwicklung fest. Die Imageschädigungen, die die Bank im vergangenen Jahr schwächten, scheinen überwunden. Es ist davon auszugehen, dass sich die BPI weiter konsolidieren und auch wieder für andere Bankinstitute interessant werden könnte.
"D": Können Sie ein Kursziel nennen?
Malfér: Darauf möchte ich mich nicht festlegen. Viele Analysten halten sich mit klaren Prognosen ebenfalls noch zurück. Die Angst vor einem weiteren Paukenschlag ist sicher noch spürbar. Die Devise lautet deshalb vorerst: abwarten. Nur 15 Prozent der befragten Analysten sprechen eine Kaufempfehlung für die Aktie aus, der Großteil bewertet den Titel mit einem ambivalenten "Halten".

Interview: Rainer Hilpold


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