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Interview mit Dr. Leo Andergassen, Landeskonservator für Südtirol


1) Warum wird der Wettbewerb „Der historische Gastbetrieb des Jahres in Südtirol" vom Landesdenkmalamt unterstützt?
Gastronomische Kultur wird über Jahrhunderte gelebt. Dies belebt den besonderen Reiz unserer historischen Wirtshäuser. Man braucht nur an den alten Routen entlang zu ziehen und man begegnet einer Fülle von historischen Beherbergungs- und Gastbetrieben. Dies ist gut so und nicht selten sind Gasthäuser im historischen Baubestand die größten Gebäude in einem Ortskern oder auch an den befahrenen Routen. Wenn man allein auf die kostbare Gestaltung der Fassaden blickt oder die alten Wirtshausschilder anschaut, erkennt man den Wert, den sie aus soziologischer Sicht gewissermaßen als Antipoden zur Kirche zu bestreiten hatten. Orte sozialer Begegnung und sozialer Hierarchisierung. Aus dem Blickwinkel der Denkmalpflege lässt sich der Einsatz um die historischen Gasstätten mehrfach rechtfertigen: Er schützt in vorbildlicher Weise historische Bau- und Ausstattungssubstanz, er verhindert ein Vergessen früherer Traditionen, er schafft Erinnerung, er gibt den Orten Räume des Festes und des Genusses. Qualitätvolle Küche wirbt nicht selten mit ansprechenden (historischen) Räumen, die zum besonderen Erlebnis einfach dazugehören.

2) Glauben Sie, dass der Wettbewerb dazu beitragen kann, das gastronomisch kulturhistorische Bewusstseins zu erhalten?
Das Erkennen einer besonders ansprechenden Bausubstanz liefert die Grundlage für eine sensible Sanierung und Erhaltung. Gasthäuser sind Orte des Vollzugs, die Ansprüche zeitgemäßer Gastlichkeit gehen daran nicht vorüber. Der Wettbewerb macht eines bewusst: Neben dem Hotelneubau gibt es eine Kategorie, die nicht weniger interessant ist zum Erleben gepflegter Gastlichkeit. Das historische Wirtshaus, das Hotel aus der Jahrhundertwende lassen und Heutigen Qualitäten spüren, die den Aufenthalt mehr als bereichern. Die Tendenz geht zu einem bestimmten Teil in diese Richtung. Dies ist eine große Chance, wenn es um den Weitererhalt der gewachsenen Strukturen geht, die nicht selten über mehrere Generationen in einer Familie sind. Ansitz Steinbock in Villanders, Hotel Laurin in Bozen und der Zirmerhof in Radein sind nur einige Beispiele, die merkbar werden lassen, dass sich behutsamer Umgang mit individuell ausgestatteten Räumen lohnt.
3) Welche Vorteile bietet der Denkmalschutz für (sind alle historisch wertvollen Gastbetriebe denkmalgeschützt?) historisch wertvolle Gastbetriebe?
Der Denkmalschutz birgt die Aussage, dass das unter Schutz gestellte Objekte in erster Linie als Kulturgut zu betrachten ist. Kulturdenkmälern fordern aufgrund ihrer kulturellen Bedeutung einen besonderen Umgang. Und dieser hat gewisse Maßnahmen einer Respekthaltung zu berücksichtigen. Daraus resultieren Einschränkungen bei Baumaßnahmen, die sich aber nicht gegen die Besitzer wenden, sondern bestenfalls als Maßnahmen für das Kulturgut zu sehen sind. Auch Wirtshäuser und Beherbergungsbetriebe sind in bestimmten Zeitspannen entstanden, verfolgen eine diversifizierbare Stilsprache und fordern schon von daher einen durchdachten Umgang. Die Abteilung Denkmalpflege fördert deren Erhaltung: statische Sicherung, historische Putze und Fenster, Täfelungen, Wandmalereien und Stuckaturen sind neben den Differenzzahlungen bei der Dacheindeckung mögliche Förderungskriterien.
Die Hauptkriterien sowie das Anmeldeformular dieses bedeutungsvollen Wettbewerbes können Sie unter der Internetseite www.historischergastbetrieb.it abrufen. Interessierte Gastwirte können sich noch bis zum 31. März d.J. am Wettbewerb der Stiftung Südtiroler Sparkasse, des Landesdenkmalamtes und des Hoteliers- und Gastwirteverbandes beteiligen.

 

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