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Zeugen der Vergangenheit geben Auskunft über unsere Zukunft


Blickt man durch die Glasscheiben des neuen Labors für antike DNA des EURAC-Instituts für Mumien und den Iceman, das am Freitag, den 10. September eröffnet wurde, sieht man vermummte Wissenschaftler an Mikroskopen sitzen und mit Pipetten hantieren. Ihre Anzüge gleichen Strahlenschutzanzügen und das Labor einem Hochsicherheitsgefängnis. Niemand darf es betreten, ohne vorher eine Blutprobe abgegeben zu haben.

„Zu groß ist das Risiko, dass das Erbgut der untersuchten Mumien mit fremder DNA vermischt wird", erklärt der Leiter des EURAC-Instituts Albert Zink. Die Ergebnisse wären somit falsch und der gesamte Extraktions- und Analyseprozess umsonst. Um jegliche Verunreinigung zu vermeiden, sind die drei Räume, aus denen das Labor besteht, streng getrennt: jeder mit eigener Belüftung und speziellem Bodenbelag. „Das Labor befindet sich auf dem aktuell höchsten Standard. Wir haben alle internationalen Kriterien umgesetzt.", erläutern EURAC-Präsident Werner Stuflesser und EURAC-Direktor Stephan Ortner. An Analyse-Anfragen von Außen fehlt es daher nicht: Ägyptische Mumien aus dem Umfeld von Tutanchamun, deren Eltern Albert Zink kürzlich mit einem Forscherkollegen aus Tübingen und Kairo ausfindig gemacht hatte, und italienische Mumien sollen in Bozen untersucht werden.

Bei der Eröffnung des Labors betonte Landeshauptmann Luis Durnwalder: „Es ist unsere Verpflichtung Ötzi nicht nur auszustellen, sondern auch in wissenschaftlicher Hinsicht das bestmögliche aus diesem Fund herauszuholen". „Das EURAC-Institut für Mumien und den Iceman leistet wertvolle Arbeit und seine Unterstützung ist mehr denn je gerechtfertigt, denn es hat in Südtirol eine internationale wissenschaftliche Plattform für die Mumienforschung geschaffen", so Gerhard Brandstätter, der Präsident der Stiftung Südtiroler Sparkasse.
Vor allem möchten sich die Forscher aber Ötzi widmen: „Nachdem wir nun das gesamte Genom entschlüsselt haben, werden wir beginnen, Informationen über Haar- und Augenfarbe zu suchen und zu schauen, ob Ötzi bereits eine Laktose-Toleranz aufwies oder noch nicht. Diese Information gibt wichtige Hinweise darüber, ob er bereits zu einer sesshaften Bevölkerungsgruppe gehörte. Wir werden auch sagen können, aus welcher Gegend er genau stammt.", prognostiziert der Anthropologe Albert Zink. Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern, den beiden Biologen Giovanna Cipollini und Frank Maixner, unternimmt er auch vergleichende DNA-Analysen mit Skelettfunden aus ganz Südtirol, die aus der Zeit Ötzis stammen. Auf diese Weise möchten die Forscher einen immer tieferen Einblick in das Leben der Menschen dieser Epoche erhalten.
Doch blicken die Mumienforscher, während sie antike Knochen oder Hautfetzen zermahlen, um daraus das Erbgut der Mumien zu extrahieren und zu analysieren, nicht nur in die Vergangenheit. Sie erarbeiten für die aktuelle Medizin und Pharmazie wichtige Erkenntnisse über die Evolution von Krankheitserregern und somit auch über die Entwicklung aktueller Krankheiten. Internationale Institute, wie das Pasteur Institut in Frankreich, sind an ihren Ergebnissen über Krankheiten, wie beispielsweise Tuberkulose, höchst interessiert. „Wir können untersuchen, wie sich ein Erreger über tausende Jahre entwickelt hat.", schildert Albert Zink. „Daraus lassen sich wichtige Prognosen für die Zukunft ableiten und möglicherweise neue Medikamente und Therapieformen finden. Denn der Blick in die Vergangenheit kann uns helfen der künftigen Krankheitsentwicklung einen Schritt voraus zu sein.", sagt er.

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