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Tiroler Portraits - Eine Datenbank gemalter Bildnisse aus dem alten Tirol


Über 1.000 Portraits in Nord- und Südtirol wurden im Rahmen des von der Stiftung Südtiroler Sparkasse federführend initiierten Projektes „Tiroler Portraits" erfasst und in eine eigens hierfür generierte Internet-Datenbank eingespeist. Ein Grund, darüber zu berichten und das Projekt der Öffentlichkeit vorzustellen, was im Rahmen der heutigen Pressekonferenz (07. März) geschah. Dr. Helmut Stampfer, Koordinator des Projektes sowie Frau Dr. Sonja Fabian und Frau Dr. Renate Rammlmair (Projektmitarbeiterinnen für Nord- und Südtirol) gewährten den Anwesenden einen umfassenden Einblick in die umfangreiche Bestandsaufnahme gemalter Tiroler Portraits und die hierfür entwickelte Datenbank (abrufbar unter www.tirolerportraits.it)

Gemalte Porträts waren schon im alten Griechenland verbreitet, auch wenn sich im Unterschied zu den zahlreichen Skulpturen kein einziges Bild erhalten. Seit dem späten Mittelalter, als Humanismus und Renaissance den einzigartigen Wert des Individuums neu entdecken, erfahren sie eine große Breitenwirkung, die trotz der Konkurrenz der Fotografie bis heute anhält. Auch in Tirol wurden im Laufe der Jahrhunderte Landesfürsten und Bischöfe, Vertreter der Geistlichkeit und des Adels, aber auch Bürger im Bilde festgehalten. Berühmte Maler wie Marx Reichlich, Giovan Battista Lampi und Martin Knoller haben in dieser Hinsicht eine Tradition begründet, die bis heute nicht erloschen ist. Im 19. und 20. Jahrhundert ließen sich auch zahlreiche Bauern und Handwerker porträtieren, waren doch die Standesunterschiede in Tirol nicht so ausgeprägt wie in anderen Regionen Europas. Nur ein winzig kleiner Teil dieses umfangreichen kulturellen Erbes ist in Biografien von bekannten Persönlichkeiten und in Büchern zu Klöstern, Burgen und Städte veröffentlicht, der weitaus größere Teil unbekannt. Für die historische Landeskunde, besonders für Forschungen zu bedeutenden Persönlichkeiten, zur Sozialgeschichte und zur Kunstgeschichte stellen die Bilder eine wichtige Quelle dar. Um dieses wertvolle Material zugänglich zu machen, hat die Stiftung Südtiroler Sparkasse auf Anregung von Dr. Helmut Stampfer ein Projekt zur Erstellung einer Datenbank von Tiroler Porträts gestartet. Das älteste, noch als Buchmalerei auftretende, autonome Porträt in Tirol dürfte jenes des Oswald von Wolkenstein in der Innsbrucker Liederhandschrift B sein, gemalt um 1430. Von diesem Werk bis zur Gegenwart sollen möglichst alle gemalten Porträts - Skulpturen, Druckgrafik und Fotografien bleiben unberücksichtigt - ,die sich im Bundesland Tirol und in Südtirol erhalten haben, in eine Datenbank mit entsprechenden Angaben zu Standort, Material und Technik, Maßen, Datierung, Inschriften, Wappen, Künstlersignaturen eingegeben werden. Eine digitale Aufnahme von jedem Portrait ermöglicht neben der gezielten Suche zu Forschungszwecken auch eine ebenso bequeme wie anregende und kostenlose Besichtigung der virtuellen Porträtgalerie.
In einem Jahr haben zwei Kunsthistorikerinnen in Süd- und Nordtirol mehr als 1300 Porträts erfasst und in die Datenbank eingegeben, die am 7. März 2011 im Rahmen einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Schwerpunkte bildeten bisher die Bestände der alten Stifte Marienberg, Neustift, Wilten, Stams und Georgenberg-Fiecht, deren Äbtegalerien vom 17. Jahrhundert bis heute reichen. So selbstverständlich war das Bildnis im Barock, dass man die Äbte der ersten Jahrhunderte, von denen keine echten Porträts überliefert waren, in fiktiven Porträts darstellen ließ. Es folgten die großen Museen, wie Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Tiroler Volkskunstmuseum, Landesmuseum Schloss Tirol, Diözesanmuseum Brixen, Stadtmuseum Bozen, deren Porträts zu einem großen Teil schon aufgenommen waren. Für die freundliche Überlassung von Daten und Bildern sein hier nochmals gedankt. Auch die beachtliche Porträtgalerie der Präsidenten der Südtiroler Sparkasse fand bereits Eingang in die Datenbank. Schließlich wurde im Norden und im Süden des Landes auch mit der Erfassung der Bestände in Privatbesitz begonnen, unter denen sich unbekannte Schätze befinden. Im Unterschied zu Stiften und Museen gibt die Datenbank auf verständlichen Wunsch der Eigentümer den jeweiligen Standort nicht preis, sondern merkt nur an „privat". Unter Zusicherung der nötigen Diskretion werden alle privaten Eigentümer von gemalten Porträts höflich ersucht, am Projekt mitzuarbeiten, indem sie die Stiftung über Bilder informieren und deren Erfassung ermöglichen. Ein weiterer Aufruf um Mitarbeit ergeht an Historiker und Historikerinnen, Familienforscher und Familienforscherinnen, die aufgrund ihrer Kenntnisse Porträts unbekannter Frauen und Männer identifizieren können. Jeder Hinweis in dieser Richtung wird dankbar angenommen.
Nach einer weitgehend abgeschlossenen Erfassung bietet sich die Datenbank auch als Grundlage für Ausstellungen an. Einmal könnten die künstlerisch bedeutendsten Bilder, ein anderes Mal Porträts von besonders wichtigen Persönlichkeiten, jeweils durch eine Jury von Fachleuten auszuwählen, in Innsbruck und Bozen gezeigt werden. Zusätzlich zu den Ausstellungskatalogen eignet sich das Thema auch für die Gestaltung eines Kalenders der Sparkasse, da Menschenbilder aus Künstlerhand stets auf großes Interesse stoßen.
Aufgrund der Jahrhunderte langen engen Verbindungen in geschichtlicher und kultureller Hinsicht wäre es schön, wenn in einem zweiten Moment auch die im Trentino erhaltenen Porträts in die Datenbank aufgenommen werden könnten.
Im Bild v.l.n.r.: Landeskonservator für Südtirol Leo Andergassen, Stiftungspräsident Gerhard Brandstätter, Projekt-Koordinator Helmut Stampfer, Projektmitarbeiterin (Südtirol) Renate Rammlmair, Software-Entwickler Hubert Frick, Projektmitarbeiterin (Nordtirol) Sonja Fabian, Landeskonservator für Nordtirol Werner Jud

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