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Klimaschutz - Claus Leggewie spricht über das Ende der Welt


Die Stiftung Südtiroler Sparkasse und das Kuratorium Marienberger Klausurgespräche laden den renommierten deutschen Kultur- und Politikwissenschaftler Prof. Dr. Claus Leggewie am 21. März 2012 nach Bozen ein, um sein neues Buch „Mut statt Wut. Aufbruch in eine neue Demokratie" vorzustellen. Beginn um 18 Uhr in der Sparkasse Academy.
„Das Ende der Welt, wie wir sie kannten" überschreibt eine radikale Zeitdiagnose von Claus Leggewie. Radikal ist sie, weil das Weltklima in eine unkalkulierbare Dynamik geraten und umkippen kann, „wenn nicht rasch - genau genommen im kommenden Jahrzehnt - radikal anders gewirtschaftet und umgesteuert wird." Das heißt: Hier und Jetzt. Das ist unangenehm, denn damit sind wir alle individuell herausgestellt und gefordert. Politik, Wirtschaft und die überwiegende Mehrheit von uns aber sind noch auf Verhaltensweisen festegelegt, mit denen wir in Europa über Jahrhunderte großartige Erfolge gefeiert habe, doch deren Voraussetzungen heute so nicht mehr gegeben sind. Dies einzusehen fällt uns überaus schwer. Während die Verantwortungsträger größtenteils die anhaltende Zerstörung unserer Lebensgrundlagen mit „illusionären Korrekturvorstellungen bemänteln", hält die Bevölkerung, ohnehin von Sparzwängen, Arbeitsplatzsorgen und Finanznöten bedrängt, angstvoll am Hergebrachten fest und stützt so eine Politik, die von gestern ist. Damit wird allgemein der Ernst der Lage verkannt. Denn wir befinden uns in einer Epochenwende, einer Achsenzeit also, vergleichbar den Übergängen in die Industriegesellschaft oder, noch früher, in die Agrargesellschaft.

Umbruchzeiten sind jedoch nicht nur gefährliche, schwierige, sondern bergen auch in sich die Möglichkeit des Neuen. Es sind, neben allem Zögern und Zagen und Gestrigen immer auch Zeiten des Aufbruchs. Zu den Vetospielern und Beschwichtigern, die meinen, die Suppe wird nicht so heiß gegessen... und unverdrossen für die Fortsetzung des Bekannten eintreten, gesellen sich „Pioniere des Wandels". Sie erkennen, dass unser Lebensstil, der zu 80 Prozent auf fossilen Energien beruht, weder zukunftsfähig sein noch weltweit imitiert werden kann. Und sie wissen, dass die gegenwärtigen Herausforderungen, der klimakulturelle Wandel nur verstanden und gemeistert werden kann, wenn sich die Bürger, zusätzlich zu aller Ingenieurskunst und unternehmerischem Einfallsreichtum, zusätzlich zu Berufspolitik und ihren sozialen Vorfeldorganisationen selbst ändern und die Geschicke der Gemeinschaft mitbestimmen. Wenn sie also über das rituelle Wahlverhalten hinaus selbst politisch werden.
Was soviel auch bedeutet: die Gegenwart verlangt nicht weniger, sondern mehr Demokratie, fordert mehr Verantwortung (von allen) und ruft nach kollektivem Engagement.
Die Frage, was wir morgen getan haben werden müssen, stellt sich jetzt, und sie stellt sich neu. Entziehen können wir uns ihr nicht. Denn wir befinden uns zwar unfreiwillig in dieser katastrophalen Enge der Zeit, aber nicht unwissend. Daraus leitet sich die Verantwortung für jeden einzelnen von uns ab, zum Beispiel durch Überprüfung und Korrektur seines individuellen Lebensstils, seines persönlichen „ökologischen Fußabdrucks". Und damit stellen sich kollektiv die Fragen der gesellschaftlichen Solidarität, der Gerechtigkeit, der Teilnahme und Teilhabe neu. Schließlich: Wo mehr Bürgerbeteiligung gefordert ist, müssen sich auch die Spielregeln ihrer Beteiligung ändern, sind neue Möglichkeiten der Mitgestaltung und Mitentscheidung fällig. Dazu müssen die Bürger in die Parteien eintreten, diese sich den neuen sozialen Bewegungen öffnen.
Keine leichte Zeit, wie schon erwähnt, aber der Ausweg der einzig verbleibt lautet: Yes, we must!
Der Vortragsabend beginnt am 21. März 2012 um 18.00 Uhr im neuen Tagungssaal der „Sparkasse Academy Cassa di Risparmio" in der Sparkassenstraße 16 in Bozen.
Der Eintritt ist frei; eine Anmeldung ist unter der Telefonnummer 0471 316017 erforderlich.

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