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Vortrag mit Prof. Lino Guzzella



Auf Einladung der Stiftung Südtiroler Sparkasse hält Lino Guzzella, Rektor und Professor für Thermotronik der ETH Zürich, anlässlich der Mitgliederversammlung ein Referat zum Thema „Energiezukunft - Mythen, Fakten und Chancen".
Anbei wird das in der Tageszeitung vom 15.05.2012 veröffentlichte Interview, das der Schweizer Journalist Mathias Plüss mit Prof. Guzzella im Jahr 2011 für „Das Magazin" führte, wiedergegeben.

Das Magazin 3-2011
«Ich renne ständig rum und lösche Lichter »
ETH-Rektor und Professor Lino Guzzella über Elektromobile, grüne
Illusionen und mögliche Wege aus der Energiekrise
Von Mathias Plüss Bilder Maurice Haas
Das Zeitalter des Elektroautos ist angebrochen. Unter dem Namen M-Way verkauft die Migros in der Schweiz seit einiger Zeit Elektromobile des norwegischen Herstellers Think. In den nächsten Wochen und Monaten kommen die ersten serienmässigen Elektrokleinwagen von grossen Herstellern in den Verkauf: Mitsubishi, Nissan, Renault, Citroën. Im Gegensatz zu den Hybriden fahren diese Fahrzeuge rein elektrisch und haben keinen Benzinmotor mehr. Sie haben jeweils eine Reichweite von etwa 120 bis 160 Kilometern, eine Höchstgeschwindigkeit von 100 bis 130 km/h und kosten gegen 50 000 Franken. Das Aufladen der Batterien zu Hause geht acht bis zehn Stunden - an Schnellladestationen von denen es in der Schweiz aber noch keine gibt, eine halbe Stunde.

Einer, der angesichts der Elektro-Euphorie einen kühlen Kopf bewahrt, ist der Autospezialist
und ETH-Professor Lino Guzzella. Ein früher Öko-Pionier, der mit einem selbst gebauten Wasserstoffauto vor Jahren einen Sparsamkeits-Weltrekord aufgestellt hat, glaubt Guzzella nicht an einen baldigen Durchbruch des Elektromobils: zu teuer, zu leistungsschwach und auch nicht besonders ökologisch seien die Batterien.
Herr Guzzella, fast alle Autofirmen gehen derzeit in Richtung Elektromobil - doch Sie glauben nicht daran. Sind Sie ein Elektroskeptiker?
Nein. Elektrizität ist etwas Tolles, sofern sie CO2-vernünftig hergestellt wird. Überall da, wo man eine Leitung legen kann, ist Elektrizität nicht zu schlagen. Wärmepumpen statt Ölbrenner - das ist ökonomisch und ökologisch sinnvoll. Sobald man aber den Strom mittransportieren muss wie in einem Auto, gilt das nicht mehr. Wenn Sie wollen, können Sie mich einen Elektro-Mobil-Skeptiker nennen.
Also gut. Und woher rührt Ihre Skepsis?
Das grosse Problem sind die Batterien. Weil die Batterien noch nicht gut genug sind, haben die heutigen Elektroautos eine so geringe Reichweite. Wenn Sie mit einem Elektromobil gleich weit fahren wollten wie mit einem 50-Liter-Dieselauto, müssten Sie tausend Kilo Batterien mitnehmen. Tausend Kilo! Das ist unökologisch und auch sehr teuer. Das A und O der sparsamen Mobilität sind leichte Fahrzeuge. Ich gehe jede Wette ein, dass auch in zehn Jahren noch die weitaus dominierende Mehrheit aller Autos weltweit von Verbrennungsmotoren angetrieben wird.
Und all die Elektroautos, die jetzt kommen?
Nun ja, gewisse Leute werden das kaufen; ein paar Hundert, ein paar Tausend vielleicht. Leute, die viel Geld haben. Aber die kaufen es nicht, weil sie ein Auto brauchen, sondern weil
sie Pioniergeist demonstrieren wollen. In Wahrheit liegen noch immer Welten zwischen einem Elektro- und einem normalen Auto: Ein M-Way kann nur ein Viertel von dem, was ein VW Polo kann, doch er kostet doppelt so viel!
Ein Elektroauto kostet zwar mehr, aber dafür ist der Betrieb viel billiger als beim Benziner. Der Strom für 100 Kilometer kostet nur 3 Franken.
Das stimmt. Aber die Rechnung ist nicht fair. Warum denn kostet bei uns der Liter Benzin 1.60 oder 1.70?
Wegen der Steuern, unter anderem.
Wegen der Steuern! Die Mineralölsteuer macht fast die Hälfte des Benzinpreises aus. Und das Geld fliesst zu einem schönen Teil in den öffentlichen Verkehr. Wenn nun tatsächlich sehr viele Leute ein Elektroauto kaufen, fehlt dieses Geld. Müssen wir dann auch Elektroautos besteuern? Oder dürfen wir das nicht, weil sie angeblich so umweltfreundlich sind? Mit dem Propagieren des Elektromobils gefährden die Grünen am Ende noch den öffentlichen Verkehr.
Nun gut. Aber das wird niemanden vom Kauf eines Elektroautos abhalten.
Nein. Aber es kommt etwas hinzu. Die Reichweiten, welche die Hersteller von Elektromobilen angeben, sind meist nicht in den eigentlich obligatorischen europäischen Tests gemessen worden. Denn im europäischen Testzyklus gibt es ein Stück, in dem 120 gefahren wird. Diverse Elektromobile können aber gar nicht 120 fahren. Diese Reichweitenangaben sind zum Teil illegal!
Ist das so wichtig?
Falls Sie sich darauf verlassen, dass die Reichweite wirklich 140 Kilometer ist, wie es der Hersteller angibt, dann schon. Angenommen, es ist kalt und regnet, Sie lassen Scheibenwischer und Heizung laufen, so reicht die Batterie plötzlich nur noch für 70 Kilometer, und Sie stecken irgendwo auf der Autobahn fest. Dann wird das grosse Gejammer losgehen, dann werden die Konsumentenorganisationen kommen und sich beschweren, dass die Vorgaben nicht eingehalten wurden. Und so wird der Elektroboom rasch wieder in sich zusammenfallen.
70 Kilometer reichen doch. Die Elektromobile sind Stadtautos.
Das halte ich für eine seltsame Idee. In die Stadt gehört doch kein Auto! In der Stadt soll man das Tram nehmen, zu Fuss gehen, Velo fahren. Das Auto ist besonders gut auf Distanzen zwischen 50 und 1000 Kilometern. Und da brauchen Sie B

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