- Aktuelles

« zurück

Wer ist noch Österreichisch?, Kunst Meran, 29. April – 9. Juli 2017


Am 20. August 1916 erscheint in der Tiroler Soldaten Zeitung deren Redaktion sich in Bozen befand, ein Artikel mit dem Titel „Bin ich ein Österreicher?". Autor des Beitrages ist der Chefredakteur der Zeitung, Unterleutnant Robert Musil. Von welcher Nationalität ist hier die Rede?
„Bin ich ein Österreicher, wenn ich in Wien, Graz, Triest oder Trient heimatsberechtigt bin?“ Überflüssige Frage“, wird man mir antworten, „selbstverständlich bist Du ein Österreicher!“ Und doch ist diese Frage gar nicht unberechtigt […]. Frage nur einen Bauern in Galizien, einen Schuster in Krain, einen Advokaten in Böhmen, einen Lehrer in Wien, einen Geistlichen in Nordtirol und einen Richter in Südtirol, was sie sind. Du bekommst ganz sicher die Antwort: ein Pole, ein Slowene oder vielleicht ein Krainer, ein Deutschböhme oder ein Tscheche, ein Niederösterreicher oder allenfalls ein Deutschösterreicher, ein Tiroler, ein Italiener. Kein einziger wird auf Deine so einfache Frage ebenso einfach antworten: „Ich bin ein Österreicher!“
Das Ausstellungsprojekt nimmt auf diese Zeilen Musils Bezug und versucht 100 Jahre nach dem Erscheinen des Beitrages Geschichten, Fragen und Interpretationen, die mit historischen und sozialen Veränderungen in Meran in Zusammenhang stehen, aufzuwerfen.

Die Geschichte Merans ist in Analogie zu jener Südtirols die Geschichte einer ständigen Suche nach Eigenständigkeit: Von der Napoleonischen Besetzung, der Zeit als Teil Österreich-Ungarns und den Bestrebungen zum Schutz und Ausbau seiner Autonomie nach den beiden Weltkriegen. Meran ist aber auch ein kleines Weltbürgertum, das auf dessen Mehrsprachigkeit, dem Dialog zwischen Nord und Süd und seiner Lage an der Schnittstelle der mitteleuropäischen und mediterranen Kultur fußt. Die Geschicke an der Passer sind durch ihre Tradition als Kurstadt geprägt d.h., auch durch Zuwanderung und Multikulturalität. Just in einer Zeit, in der sich der Nationalstaatsgedanke in Europa einer schweren Krise befindet und man sich noch nicht zu einer gemeinsamen überstaatlichen demokratische Organisation durchringen kann, versucht „Wer ist noch Österreichisch? das Erbe und die multikulturelle Geschichte Merans auf zu greifen und daraus eine umfassende Reflexion von der gegenwärtigen Situation entstehen zu lassen.
Die Ausstellung umfasst neue Arbeiten von fünf Künstler_innen, die eigens zum Thema der Ausstellung entstanden sind. Die Künstler stammen aus europäischen und außereuropäischen Ländern, darunter auch aus Italien und Südtirol. Jeder von ihnen war zu diesem Zweck über einen längeren Zeitraum als Artist in residence Gast bei Kunst Meran und konnte sich dadurch mit der Stadt, ihrer Geschichte, Architektur, Landschaft und sozialen Struktur befassen. In der Schau werden sich die in den Arbeiten kondensierten Gedanken der Künstler aneinander.reihen und teilweise überlappen. Dem Besucher bieten die Werke neue Interpretationsmodelle der Gegenwart an. Das Projekt ist somit nicht nur eine Ausstellung über Meran, sondern auch eine Erzählung von seiner jüngsten Geschichte und von den derzeitigen epochalen Veränderungen innerhalb der europäischen Gesellschaft und der globalisierten Welt. Denn auch Meran ist Teil davon und wird nie wieder sein, was und wie es in der Vergangenheit war.
Künstler:
Runo Lagomarsino (Malmö, Schweden, 1977, lebt und arbeitet in São Paulo, Brasilien und Malmö)
Francois-Xavier Gbrè (Lille, Frankreich, 1978, lebt und arbeitet in Abidjan, Elfenbeinküste)
Renato Leotta (Turin 1982, lebt und arbeitet in Turin)
Sonia Leimer (Meran 1977, lebt und arbeitet in Wien)
Nicolò Degiorgis (Bozen 1985, lebt und arbeitet in Bozen)

« zurück

Privacy | Impressum | Login |
Stiftung Südtiroler Sparkasse
Talfergasse 18
I-39100 Bozen
Tel. +39 0471 316000
Fax +39 0471 316050
info@stiftungsparkasse.it
stiftungsparkasse@pec.it