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Museumsverein Bruneck - Die Kunst des Hochdrucks


Am 09. Februar 2018 wird im Stadtmuseum von Bruneck die Ausstellung “Die Kunst des Hochdrucks: Holzschnitte von Dürer bis zur Gegenwart” eröffnet. Gezeigt werden rund 80 Hochdrucke die größtenteils aus der museumseigenen Sammlung stammen. Gerade so wie es sich für ein Grafikmuseum gehört. Was aber ist ein Hochdruck? Zunächst wird auf einem Holzbrett eine Zeichnung angebracht. Mit Hohleisen oder Messer wird die Zeichnung aus dem Holz geschnitten. Für eine Linie die später auf dem Blatt zu sehen sein soll bedarf es mindestens zweier Schnitte. Die stehengebliebenen erhabenen Stellen des Holzes werden eingefärbt und auf das Papier aufgedruckt. Je nach Schnitt unterscheidet man die lineare Schnitttechnik – wie z.B. Albrecht Dürer sie angewandt hat – oder die Flächenholzschnitte. Dabei werden die Farbflächen durch weiße Binnenkonturen strukturiert. Für Mehrfarbdrucke sind je Farbe ein eigener Holzschnitt und ein Druck nötig – sofern diese nicht nachträglich per Hand koloriert werden. Die verschiedenen Schichten werden auf dasselbe Blatt gedruckt und ergänzen oder überlagern sich dort. Im modernen Holz-Linolschnitt werden eine Vielzahl an verschiedensten Techniken angewandt. Eine weitere Variante des Holzschnittes ist der Holzstich, der eine größere Anzahl an Drucken pro Platte zulässt. Dabei wird das Bild in das härtere Kopfholz gestochen und nicht längs der Holzfaser. Seit dem Ende des 14. Jh. verbreitete sich der Bilddruck, nachdem nun Papier verfügbar war.
Anfangs waren Einzelblattdrucke zur persönlichen Erbauung mit zunächst christlichen Themen für Andachtsbildchen und Heiligen- und Nothelferabbildungen gefragt. Später wurde diese Vervielfältigungstechnik auch als privates und öffentliches Kommunikationsmittel eingesetzt. Ab 1430 ersetzte der Kupferstich (Tiefdruck) häufig den Holzschnitt und 1450 schaffte Johannes Gutenberg den Letterndruck (vorerst ohne Illustrationen), der den Buchdruck revolutionierte. In der Ausstellung im Stadtmuseum wird ein Galopp vom Mittelalter bis in die Gegenwart vollzogen. Dabei werden exemplarisch Hochdrucke bekannter Künstlergrößen wie Michael Wolgemut (1434 – 1519) und dessen noch berühmteren Schüler Albrecht Dürer (1471 – 1528) gezeigt. Dürer war der erste der es wagte seine Werke zu signieren und wies sich dadurch als Autor und Rechteinhaber aus. Eine Renaissance erlebte der Holzschnitt im deutschen Expressionismus. Eingeleitet wurde die Moderne durch Künstler von Frankreich, Norwegen und der Schweiz von Künstlern wie Paul Gauguin (1848 – 1903) und Edvard Munch (1863 – 1944). Sie präsentierten originelle technische und formelle Neuerungen während Künstler wie Felix Vallotton (1865 – 1925) sich vom japanischen Holzschnitt inspirieren ließen. Der expressive Ausdruck wurde zum starken künstlerischen Stilmittel. Bereits 1906 veranstaltete die Künstlergruppe „Brücke“ in Berlin eine Holzschnittausstellung. Ihnen folgen Künstler und Zeitgenossen welche sich auf die Formen ihrer Vorgänger beziehen aber auch ganz eigenes in neuen Stilrichtungen schaffen. Einer davon ist HAP Grieshaber (1909 – 1981), der Erneuerer des Holzschnitts. Durch offenes Experimentieren entwickelt er Eigenständiges für Schrift und Bild. Nach ihm setzte der Untergang des künstlerischen Druckgewerbes ein, verursacht durch die neuen Drucktechniken Litho- und Serigraphie. Dennoch setzt nun ein neues Nachdenken über Linie, Fläche, Raum, Farbe, Zeit und Bewegung ein. Die künstlerischen Möglichkeiten werden erweitert und die Technik des Hochdruckes, das Zusammenführen von Schneiden und Drucken wird von den Künstlern als reflexiver Akt neu entdeckt. Oft wird nur der Einzeldruck angestrebt – ohne Vervielfältigung – und die Monumentalität früherer Drucke häufig überboten. Die Tiroler präsentieren die unterschiedlichsten Stile, die in hohen künstlerischen und technischen Qualitäten ausgeführt sind. Den Reigen der Arbeiten führt der Bozner Carl Moser an, der mit japanischen Mehrfarben- Holz und Linoldrucken europäisches Format beweist.

Die KünstlerInnen: Pidder Auberger, Kurt Augustin, Stephan Balkenhol, Ina Barfuss, Ernst Barlach, Michael Bauch, Christiane Baumgartner, Max Beckmann, Werner Berg, Werner Büttner, Nicolaus Cinetto, Felix Droese, Albrecht Dürer, Franz Eggenschwiler, Marianne Eigenheer, Stefan Fabi, Lyonel Feininger, Conrad Felixmüller, Franz Fischnaller, Günther Förg, Hartmut Frielinghaus, Karl Grasser, H A P Grieshaber, Willem Grimm, Heiner Gschwendt, Friedrich Gurschler, Jonas Hafner, Richard Haizmann, Raoul Hausmann, Bodgan Hoffmann, Horst Janssen, Wassily Kandinsky, Franz Kehrer, Hubert Kiecol, Käthe Kollwitz, Wilhelm Laage, Jean Leppien, Peter Loeding, Dieter Lott, Matthias Mansen, Franz Marc, Gerhard Marcks, Wolfgang Mattheuer, Heinrich Modersohn, Johannes Molzahn, Wilhelm Morgner, Carl Moser, Elisabeth Moser, Otto Mueller, Carsten Nicolai, Martin Noël, Rainer Noeres, Emil Nolde, Osmar Osten, Hans Ott, Jürgen Partenheimer, Werner Persy, Lieselotte Plangger-Popp, Hans Plank, Norbert Prangenberg, Robert Pudlich, Peter Plumpler, Ingo Regel, James Reinecking, Giovanni Rindler, Christian Rohlfs, Wilhelm Rudolph, Karl Schmidt-Rottluff, Wilhelm Schnarrenberger, Sepp Schwarz, Theo Stammer, Heinrich Stegemann, Brigitte Trieb, Felix Vallotton, Heinrich Gustav Wolff

Eröffnung: Freitag, 09.02.2018
Dauer: 10.02. – 11.03.2018

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