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Writing the mountains


Die am 23. Juni 2018 eröffnende 6. Biennale Gherdëina ist eine Reise in die polymorphe Natur der Berge und ihrer Sprache. Das Eröffnungsdatum ist nicht zufällig gewählt: An diesem Tag vor 268 Jahren wurde der Vater der Dolomiten, Dieudonné Sylvain Guy Tancrède de Gratet de Dolomieu oder - in der geläufigeren Kurzform - Déodat de Dolomieu geboren, der französische Geologe, der 1792 ein kalkiges Gestein entdeckte, das zusammen mit der erhabenen Gebirgskette im Nordosten Italien fortan seinen Namen tragen sollte. Unter dem diesjährigen Motto WRITING THE MOUNTAINS verschränkt die Ausstellung Grenzdisziplinen der kulturellen Geologie, kommunaler Ökologie, performativer Wissenschaft und vergleichender Praxis engagierter Ästhetik miteinander, wobei konventionelle Formen der Darstellung und Wahrnehmung in ihrem Bezug auf das Vokabular von Natur, Landschaft und einer Gemeinschaft in Frage gestellt werden. Ein Polylog entsteht, in dessen Vordergrund gemeinschaftliche und partizipative Arten des Arbeitens stehen, in die sich polyphone Formen der Performance hineinmischen, darunter Tanz und Gesang, Dichtung und das gesprochene Wort, über Architektur und Design, Aufführung und Ausstellung bis hin zu ephemeren Formen, die auf Gemeinschaftsgeist, Engagement und Kollektivität gründen, und von Forschung und Untersuchungen vor Ort angereichert werden. Als solcher ist WRITING THE MOUNTAINS ein poetisches Unternehmen; in dem, was wir einen Akt des Lernens von den Bergen ansehen können, liefert (die Sprache der) Poesie eine Partitur für eine Sammlung künstlerischer Ausdrucksformen, die den Ort und seine sublime Intensität zelebrieren. Die für die Biennale komponierte dichterische Erzählung Überwasser von Alessandro De Francesco ist ein Manifest der “intimen Unermesslichkeit” der Dolomiten: Eine Serie sinnlicher Tableaus, die zusammen mit einem Lexikon der elementaren Sprache der Natur den Prototyp für die multiplen Szenarien von WRITING THE MOUNTAINS liefern. Als Fortsetzung der Vorgänger-Biennale, in deren Mittelpunkt die Rhetorik der Sehnsucht stand, sucht WRITING THE MOUNTAINS nach den Mustern für Zugehörigkeit, Identifikation und Zusammenleben. Sie ehrt die Berge und die sie bewohnende Gemeinschaft, reflektiert die für diesen Ort und seine Menschen so prägende Zähigkeit und Ausdauer und huldigt dem Gebirge als einer Stätte der Ehrfurcht und Intimität, der Befreiung und des Widerstands. Die Ausstellung betrachtet das Biotop der Berge als Ritua im Fluss, archetypisch und sich ständig wandelnd, das immer wieder umformuliert und überschrieben wird, ein mystisches und reales, gleichzeitig sublimes und weltliches Wesen, die Äußerung eines Wunsches, umrankt von Legenden, Mythen und Alltagsträumen.


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