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Ergreifendes Passionsspiel in La Val/Wengen


Theaterverein und Kirchenchor von La Val/Wengen inszenieren „Nia de parora“ in der Pfarrkirche zum Hl. Genesius
Zwei Stunden, die wie im Flug vergingen, ein musikalischer Leckerbissen, ein Eintauchen in aktuelle gesellschaftliche Fragen und Konflikte und am Ende ein begeisterter Applaus für Chor, Schauspieler und die 20-köpfige Orchesterbesetzung: Das erlebten die Zuschauer bei der Aufführung des Stückes „Nia de parora“ am Donnerstagabend in der Pfarrkichre von La Val/Wengen. Dabei hatte sich die Theatergruppe und der Kirchenchor von La Val nicht gerade leichte Kost für ihre Aufführung ausgesucht. Im Gegenteil: In der voll besetzten Pfarrkirche zum Hl. Genesius brachten sie „Die Ungetreuen“, eine „Jüngerpassion“ von Karl Herbst zur Aufführung. Acht Monate lang hatten die über 70 Mitwirkenden unter der Regie von Matteo Rubatscher und der musikalischen Leitung von Elio Clara an diesem anspruchsvollen Projekt geprobt und gefeilt.
Anders als das Wort „Passion“ vermuten ließe, werden in diesem außerordentlichen Passionsspiel, welches mit Liedern aus dem „Messias“ von G. F. Händel musikalisch begleitet wird, nicht das Leiden, die Geißelung, die Krönung und Kreuzigung Jesus dargestellt. Im Blickfeld des ernsten und doch tröstlichen Schauspiels in fünf Akten stehen vielmehr Charakterzüge und menschliche Schwächen wie Opportunismus, Feigheit, Untreue, Unzuverlässigkeit. Anstelle von Jesus treten bekannte Figuren aus der Leidensgeschichte wie Petrus und Johannes, Judas, Martha und Maria, Nikodemus und viele andere auf.
Das Stück hält sich inhaltlich eng an die Heilige Schrift. Ausgehend von dem Wunder der Auferstehung des Lazarus, welches von den einen vorbehaltlos angenommen, von anderen aber in Frage gestellt wird, zeigt sich, wie schwer es ist zu glauben, für den Glauben einzustehen und ihn auch gegen aufkommende Zweifel zu verteidigen und aufrechtzuerhalten. Selbst geprüfte Charaktere werden leicht zum Spielball für jene, die nur aus eigenem Interesse handeln und danach trachten, dass am bestehenden und für sie bequeme System nicht gerüttelt wird. Als die abtrünnigen und ungetreuen Jünger Jesu aus Schuldgefühl und Angst in tiefe Verzweiflung zu versinken drohen, bricht die Auferstehungsbotschaft durch. Der Auferstandene lädt versöhnlich ein, mit Zuversicht neu zu beginnen.
Die Leidensgeschichte „Nia de parora“ ist modern gestaltet, die Schauspieler treten in Bekleidung unserer Zeit auf und faszinieren den Zuschauer durch Text und Darstellung. Dabei kann sich jeder Besucher in einer dieser Rollen wiederfinden.
Der Theaterabend in La Val war alles andere als ein frommes Schauspiel. „Nia de parora“ behandelt aktuelle Themen der heutigen Zeit wie soziale Ausgrenzung oder die Flüchtlingsproblematik. Außerdem bestärkt das Passionsspiel die Zuschauer auch in der Überzeugung, dass Kirche manchmal unkonventionelle Wege gehen muss, um den Herausforderungen der Zeit gerecht zu werden.
Insgesamt ist die Darstellung des Stückes „Nia de parora“ eine großartige Leistung aller Musiker und Laiendarsteller. Sie wurde modern und professionell in Szene gesetzt und hinterlässt bei den Zuschauern einen tiefen Eindruck.
Finanziell mitunterstützt wurde das aufwendige Projekt auch von der Stiftung Südtiroler Sparkasse.


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