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Kunst Meran zeigt die Ausstellung mit dem Titel "Lichtpausen, lückenhaft"


Elisabeth Hölzl Gina Klaber Thusek "Lichtpausen, lückenhaft" Kunst Meran: 5. März bis 5. Juni 2022
Die Ausstellung Lichtpausen, lückenhaft präsentiert die beiden Künstlerinnen Gina Klaber Thusek (1900–1983) und Elisabeth Hölzl (1962) als verschränkte Retrospektiven.
In den frühen 1970er-Jahren haben sich die beiden in Meran kennen gelernt: Thusek war damals eine reife Künstlerin, die zwei Weltkriege, die Konfinierung nach Meran und eine 16 Jahre anhaltende Staatenlosigkeit hinter sich hatte. Hölzl ein junges Mädchen, gerade am Anfang seiner künstlerischen Entwicklung. Obwohl die beiden Künstlerinnen verschiedenen Generationen angehören und durch gänzlich unterschiedliche Lebensumstände geprägt wurden, überrascht eine Fülle von Bezügen zwischen ihren Werken. Die erste Begegnung 1973, mündet nun – 50 Jahre später – in eine Wiederbegegnung: Der Nachlass Gina Thuseks, aufbewahrt im Archiv des Palais Mamming Meran, wird für Elisabeth Hölzl Erinnerungsmoment und Inspiration. Ihr facettenreiches Werk, entfaltet in dieser Ausstellung zusammen mit Thuseks Ouevre, eine neue, raumgreifende Dimension. So geht die Schau über eine Doppelausstellung hinaus und wird durch die Verflechtung beider Werke zu einem neuen Ganzen. Lichtpausen, lückenhaft erzählt von vielschichtigen Berührungspunkten zwischen den beiden Künstlerinnen. Nach und nach ans Licht gebracht, war Thuseks Werk für Elisabeth Hölzl in den letzten Monaten Anlass, ihr eigenes Werk teilweise neu zu sehen, ihr Frühwerk zu sichten und neue Arbeiten mit den Werken Thuseks in einen Dialog treten zu lassen. Entsprechend spüren die einzelnen Sektionen der Ausstellung Themen und Lebenssituationen auf, die im Werk beider Künstlerinnen eine wichtige Rolle einnehmen. Liebe, Sehnsucht, Begehren; Fotografie als Erzählmethode und Ausdruck von Introspektion; neue Wege in der Bildhauerei oder eine starke Affinität mit dem Textilen, sind nur einige der aufgezeigten Facetten. Hatten die kunsthistorischen Recherchen und die Archivarbeit von Ursula Schnitzer zu Gina Klaber Thusek während der letzten Jahre die Idee für dieses Projekt entstehen lassen, kam es in der Folge durch die intensive Auseinandersetzung Hölzls mit dem Nachlass ihrer Zeichenlehrerin zu einer noch stärkeren Durchwirkung beider Werke. Situative Arrangements mit ausgewählten Arbeiten, neue Installationen und Räume als intime Begegnung zwischen den beiden Frauen, formen eine Ausstellung, die von einer besonderen künstlerischen Nähe getragen zu sein scheint. Als Begleitpublikation erscheint ein Notizheft in Form einer bibliophilen Publikation. Als zusätzliche Arbeit von Elisabeth Hölzl konzipiert und an die Fotos und Tagebücher Gina Thuseks, einem zentralen Moment der Ausstellung angelehnt, laden leere Seiten zwischen den Abbildungen ein, Aufzeichnungen, Skizzen und Notizen anzulegen. Ein Glossar der Berliner Publizistin und Kuratorin Anne Brannys bringt außerdem einige Begriffe ein, mit denen wesentliche Themen des Ausstellungsprojektes zu existenziellen Erfahrungen verdichtet werden. Beispielhaft sei hier Nachlassung ausgeführt: Wie geht es uns, wenn ein Nachlass an uns herangetragen wird? Dieser letzte Gruß ist ja viel mehr als ein Adieu. Er ist ein à toi. Die Aufforderung zur Auseinandersetzung gleich welcher Art (auch Nichtbeachtung ist eine Entscheidung, die Kraft kostet), die sich gleichzeitig der Auseinandersetzung miteinander entzieht, ist ein Vertrauensbeweis, ein Geschenk und eine Zumutung. (Anne Brannys für Lichtpausen, lückenhaft, 2022) Gina (Regina) Klaber Thusek wurde 1900 in Mähren geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie zuerst in Römerstadt und dann in Wien wo sie an der Wiener Graphischen Lehranstalt eine gründliche künstlerische Ausbildung erhielt. Bereits damals wurde ihr außerordentliches künstlerisches Talent in vielen Zeichnungen nach der Natur deutlich. 1921 heiratete Gina Klaber Oskar Thusek (1893 – 1973) und zog mit ihm nach Teplitz-Schönau. 1936 übersiedelte die Halbjüdin Klaber Thusek nach London, um dort in der Modebranche als Entwerferin von Strickmoden zu arbeiten. Ihr Mann fand eine Anstellung in Italien. Während eines Aufenthaltes in Italien 1939 verlor das Ehepaar seine Staatsbürgerschaft, in der Folge wurde Klaber Thusek bis nach Kriegsende 1946 nach Meran konfiniert; 1955, nach 16-jähriger Staatenlosigkeit, erhielt das Ehepaar schließlich die italienische Staatsbürgerschaft. Klaber Thusek nutzte ihren regularisierten Status und schrieb sich zu weiterführenden Studien der Bildhauerei zuerst in Florenz und anschließen an der Brera in Mailand bei Marino Marini ein. Geprägt von großer Rastlosigkeit und unzähligen Reisen blieb Meran bis zu ihrem Tod am 11. April 1983 ihr Wohnsitz. Ihren Nachlass hat Klaber Thusek dem Meraner Stadtmuseum zukommen lassen. Aufgrund seines Umfanges und seiner vielschichtigen Inhalte gibt er einen außerordentlich detaillierten Einblick in ihr Leben und Werk. Klaber Thuseks Oeuvre zeichnet die konsequente Entwicklung von einem – ursprünglich dem Naturalismus verpflichteten Schaffen – über eine zunehmende Abstrahierung zu verschiedenen avantgardistischen Ausdrucksformen aus. Bis ins hohe Alter schuf die Künstlerin Skulpturen, Zeichnungen, Assemblagen sowie Mode-und Schmuckentwürfe. Ein bis ins fortgeschrittene Alter anhaltender Drang zur Weiterentwicklung gepaart mit ihrem geschulten Blick auf die internationale Kunstszene, sind kennzeichnend für ihr Werk. Eine angemessene lokale und internationale Wertschätzung ist Klaber Thusek bisher weitgehend verwehrt geblieben. Ein Schicksal, das sie mit zahlreichen Künstlerinnen ihrer Generation teilt. Elisabeth Hölzl wurde 1962 in Meran geboren. Sie wuchs in einer musikalisch geprägten und kulturell aufgeschlossenen Familie auf. Nach Abschluss des Klassischen Gymnasiums in Meran, studierte sie zunächst ein Jahr Kunstgeschichte in Innsbruck und dann Bildhauerei an der Accademia di Belle Arti in Bologna. Anschließend absolvierte sie für ein Jahr eine Keramikausbildung in Faenza. Sie lebte in den folgenden Jahren in der Nähe von Mailand, bevor sie 1991 nach Meran zurückkehrte, wo sie heute lebt und arbeitet. Elisabeth Hölzl tritt in den 1990er-Jahren mit minimalistischen Skulpturen und Installationen an die Öffentlichkeit. In den folgenden Jahren löst sie sich in ihren Arbeiten immer stärker von der Materie und wendet sich Stoffen wie Glas und Licht zu. Nicht mehr die Materie, das Volumen, sondern das, wodurch dieses sichtbar wird, das Licht, rückt in den Fokus. In den letzten Jahren ist die Fotografie, die sie schon seit den Anfängen ihrer Arbeit begleitet hat, ihr bevorzugtes Ausdrucksmittel. Ihre oftmals in einem längeren Zeitraum angesiedelten fotografischen Projekte befassen sich vor allem mit Situationen im Umbruch, die eine Lücke in architektonischer und sozialer Hinsicht schaffen. Derart entstanden in den letzten Jahren die Fotoarbeiten Roma Camp Bozen (2004/05), Hotel Bristol (2008), Libera Viva (2012), Absolute Eye, (2016), Sommer im Winter (2019). Zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland und Publikationen dokumentieren Hölzls Werk.
Die Ausstellung Lichtpausen, lückenhaft ist Hölzls erste Retrospektive und gibt anlässlich ihres 60. Geburtstages erstmals einen umfassenden Überblick ihres Schaffens. (https://www.elisabethhoelzl.com)
Kuratorin Ursula Schnitzer
Künstlerinnen: Elisabeth Hölzl, Gina Klaber Thusek
Ausstellungsgestaltung: Elisabeth Hölzl, Ursula Schnitzer
Grafik: Elisabeth Hölzl
Dauer der Ausstellung: 05.03. – 05.06.2022 Wo: Kunst Meran Merano Arte | Via Portici 163, 39012 Merano
Öffnungszeiten: Dienstag - Samstag: 10 - 18 Uhr / Sonn- und Feiertage: 11 - 18.00
Info: info@kunstmeranoarte.org | www.kunstmeranoarte.org 


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