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Norbert C. Kaser auf Schloss Bruneck


Nachstehend wird der von Reinhard Weger verfasste und in den Pustertaler Medien veröffentlichte Pressetext wiedergegeben:
Auf Schloss Bruneck ist das „Kaser-Zimmer“ eingerichtet und im Zuge eines Festaktes offiziell übergeben worden. Eine Kaser-Matinee, in deren Zuge Luis Benedikter aus dem Werk des Dichters las und das Posaunenquartett „SonOro“ die passenden musikalischen Klänge zum Besten gab, bot den überaus würdigen Rahmen dazu. Im Namen der Schwester des Dichters, Monika Kaser, die das Zimmer auch zur Verfügung gestellt hatte, sowie der Stadtgemeinde Bruneck, der Stiftung Sparkasse und von Reinhold Messner, die das Projekt allesamt tatkräftig gefördert haben, konnte Koordinator Florian Kronbichler das gelungene Werk präsentieren. Zum seinem 75. Geburtstag bekam Südtirols bedeutendster Dichter damit endlich sein „Zimmer“, das aber weit über die räumliche Dimension hinausreicht.
Norbert C. Kaser war ein Freigeist, der sich zeit seines Lebens vor „beengten Mauern“ gefürchtet hatte. Er hasste sie gewissermaßen. Genauso wie die „Schickeria“ und die „Abgehobenen“, denen er gnadenlos den Spiegel der Gesellschaft mit beeindruckender Hartnäckigkeit vor Augen hielt. Er war ein literarischer Großgeist, der Großes geschaffen hat. Das Zimmer ist ein Kulturgut, das erhalten werden soll. Es ist ein Gemeinschaftsgeschenk der drei Institutionen, die sich als „die Herren von Schloss Bruneck“ bezeichnen dürfen, an den Genius loci: Gemeinde Bruneck, Stiftung Südtiroler Sparkasse und Messner-Mountain-Museum, wie Kurator Florian Kronbichler so treffend geschrieben hat. Passend zum halbrunden Geburtstag des Beehrten wurde dieses überaus wichtige Kulturprojekt umgesetzt, auch wenn der gute Kaser damit wohl seine Probleme gehabt hätte. Denn er verabscheute den Glanz und Lobhudeleien waren ihm stets suspekt. Nichtsdestotrotz ist das „Kaser-Zimmer“ aber ein wichtiges Kulturgut, das nicht nur aufbewahrt, sondern auch gezeigt werden soll. Denn es geht nicht nur um die geistigen Inhalte, sondern auch darum, wie sie entstanden sind. Denn Enge und Beklemmung haben den Dichter zwar immer begleitet, aber auch seine literarische Schaffenskraft beseelt. Im Positiven wie im Negativen. Die Matinee stand daher unter dem Denkansatz „eingeklemmt“ und passend dazu wurde aus einem der letzten Briefe Kasers zitiert: „wir sind überhaupt eine recht eingeklemmte generation. rueckwaerts geht es nimmer & vorwaerts graut uns“.
Das Kaser-Zimmer ist der Raum, den der Schriftsteller in seiner Kindheit und für einen Gutteil seines kurzen Lebens auch tatsächlich bewohnt hat. Die Familie Kaser lebte zunächst in einer Dienstwohnung und später im Portierhäuschen der Brunecker Tuchfabrik Moessmer. Hier war der kriegsversehrte Vater Franz Kaser als Pförtner tätig und hat seinem Adoptivkind Norbert das kleine Zimmerchen getischlert. Es ist das Zimmer mit allem Zubehör und den persönlichen Gegenständen. Der ganze „Kram“, der sich auch in einem kurzen Künstlerleben eben so ansammelt. Norberts Schwester Monika hat alles über die vielen Jahre hinweg beieinander gehalten und stellte es zur Verfügung. „Es ist nach dem literarischen Nachlass das Persönlichste und Intimste, was von diesem bedeutenden Brunecker Schriftsteller erhalten ist. Als solches ist es schützenswert, genauer gesagt: schutzpflichtig“, so Kronbichler. Das Kaser-Zimmer reiht sich somit ein in die Gesellschaft prominenter Autoren-Zimmer, deren kulturhistorische Bedeutung unstrittig ist. Das Kaser-Zimmer soll zugänglich und „erlebbar“ bleiben. Die Idee dazu kam in gemeinsamer Vorarbeit durch Monika Kaser als Eigentümerin und Florian Kronbichler selbst. Als sich die beiden auf Quartiersuche begaben, wurden sie auch bei Bürgermeister Roland Griessmair vorstellig, der ihnen schließlich den Tipp gab, dieses wichtige Vorhaben doch auf Schloss Bruneck umzusetzen. So kam es dann auch, nachdem alle für den Vorschlag zu begeistern waren. Reinhold Messner war sofort Feuer und Flamme und darüber hinaus bereit, das Kaser-Zimmer auf eigene Kosten zu beherbergen und auch die künftigen Führungskosten zu tragen. Der bekannte Brunecker Architekt Gerhard Mahlknecht, der bereits seinerzeit Schloss Bruneck für das Messner-Museum gekonnt adaptiert hat, erstellte hingegen das Projekt. Die Kosten für die Adaptierung des betreffenden Raumes teilten sich zu gleichen Teilen die Gemeinde Bruneck und die Stiftung der Südtiroler Sparkasse. Diese ist Eigentümerin von Schloss Bruneck und hat bereits Kasers literarischen Nachlass erworben und dem Stadtarchiv Bruneck zur Aufbewahrung überlassen. Kronbichler zeigte zum Schluss dann auf, dass das Kaser-Zimmer nicht als „Kaser-Museum“ missverstanden werden dürfe. „Unser Anspruch war ein rein konservatorischer“, so der Journalist. Und schon gar nicht soll eine Konkurrenz-Stätte zur Stadtbibliothek Norbert C. Kaser aufgebaut werden, zumal der Sitz des literarischen Kaser-Bestands weiterhin das Stadtarchiv Bruneck bleibt.
Mit der Eröffnung des Kaser-Zimmers wurde dem Schriftsteller ein weiteres Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung – gewissermaßen als kleine Wiedergutmachung – auch in gesellschaftlicher und kultureller Hinsicht gesetzt. Gut so – auch wenn die Mauern im Sinne des Menschen Norbert C. Kaser wohl „beengt“ bleiben!

 

 

 


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